Beim Thema Lebensversicherung scheiden sich die Geister. Noch vor einigen Jahren hatte fast jeder eine, am besten sogar mit Kapitalbaustein für die langfristige Geldanlage. Inzwischen ist das ehemalige Lieblingsprodukt unter den Versicherungen gar nicht mehr so angesagt. Einen Schutz, der die Hinterbliebenen im Fall der Fälle absichert, wünschen sich die meisten Menschen immer noch, allerdings trennen viele inzwischen die Risikoabsicherung lieber von der Geldanlage.

Welches Produkt tatsächlich die beste Wahl ist, kann nur eine individuelle Bedarfsanalyse ergeben. Vor allem Familien sollten sich ausführlich beraten lassen, bevor sie sich für eine Lebensversicherung entscheiden. Nach wie vor haben nämlich beide Produkte durchaus ihre Vorteile, auch wenn die Kapitallebensversicherung aufgrund von kriselnden Finanzmärkten deutlich an Glanz verloren hat. Eine Welle der Kündigungen im Bereich der Kapitallebensversicherungen hat in den vergangenen Jahren gezeigt, wieviel seines guten Rufes dieses Produkt tatsächlich eingebüßt hat. Experten warnen nach wie vor davor, Bestandsversicherungen voreilig zu kündigen, denn hier können enorme Verluste drohen.
Ein Blick hinter die Kulissen der Lebensversicherer zeigt, wo das Geld auch heute noch gut angelegt ist.

 

Risikolebensversicherung und Kapitallebensversicherungen:
Viele Gemeinsamkeiten, feine Unterschiede

Im Alltag ist häufig einfach von der Lebensversicherung die Rede. Die meisten Menschen machen sich nicht immer die Mühe, zwischen der Kapital- und der Risikovariante zu unterscheiden. Dabei gibt es wichtige Unterschiede, die vor allem beim Abschluss der Versicherung und im Leistungsfall zum Tragen kommen. Bei der Wahl des richtigen Produktes für die eigene Absicherung lohnt es sich also durchaus, ganz genau hinzuschauen.

Ein paar grundlegende Gemeinsamkeiten haben allerdings alle Produkte aus dem Bereich Lebensversicherung. So geht es zum Beispiel sowohl bei der Kapitallebensversicherung als auch bei der Risikolebensversicherung in erster Linie darum, den Todesfall der versicherten Person abzusichern. Verstirbt der Versicherungsnehmer im Rahmen des vertraglich vereinbarten Leistungszeitraumes, sorgt die Lebensversicherung dafür, dass den Hinterbliebenen keine finanzielle Lücke entsteht, die sie aus eigener Kraft nicht schließen können. Das kann den täglichen Lebensunterhalt betreffen, wenn zum Beispiel der Hauptverdiener in einer Familie wegfällt. Es ist aber auch möglich, ein laufendes Darlehen, zum Beispiel für eine Immobilie, durch den Schutz aus einer Lebensversicherung abzusichern. So kann die Familie in vielen Fällen im gemeinsamen Haus wohnen bleiben, auch wenn dieses noch nicht vollständig abbezahlt ist und die Tilgung des Darlehens aufgrund der Einkommenseinbußen durch einen Todesfall nicht mehr im gewohnten Rahmen möglich ist.

Vielfach ist es auch möglich, die Restschuld für eine Immobilie mithilfe einer Lebensversicherung zu tilgen. Über die Möglichkeiten und die Vor- und Nachteile eines so genannten Versicherungsdarlehens informiert das Immobilienportal immobilienscout24.de in einem ausführlichen Ratgeber.

 

Der Todesfallschutz für die Hinterbliebenen bleibt aber in jeder Variante der Lebensversicherung die wichtigste Leistung, die durch den Abschluss des Vertrages garantiert wird.

Auch in der Zahlungsweise unterscheiden sich Kapital- und Risikolebensversicherung in den meisten Fällen nicht. Der überwiegende Teil der Versicherungspolicen sieht einen gleichbleibenden monatlichen Betrag vor. Vor allem bei Produkten mit einem eingebauten Kapitalbaustein ist es möglich, in den Vertrag eine so genannte Dynamik einzubauen, die den Versicherungsbeitrag in vorher festgelegten Abständen um einen bestimmten Prozentsatz erhöht und damit auch die Leistung im Todes- oder Erlebensfall aufstockt.

Eine weitere wesentliche Gemeinsamkeit der Risiko- und der Kapitallebensversicherung ist die Gesundheitsprüfung, die vor jedem Vertragsabschluss steht. Bevor es zu einem Vertrag kommt, müssen potentielle Versicherungsnehmer eine ganze Reihe von Fragen beantworten, die darauf ausgelegt sind, ihren allgemeinen Gesundheitszustand und damit das Risiko einzuschätzen, das für den Todes- oder Erlebensfall zugrunde gelegt werden muss. Die Gesundheitsfragen sind vom Antragsteller wahrheitsgemäß zu beantworten. Wird ein für die Gesundheitsprüfung wesentliches Detail verschwiegen oder nicht richtig dargestellt, kann der Versicherungsvertrag auch nachträglich noch für ungültig erklärt werden. Eine Rückerstattung der Beiträge gibt es dann bei absichtlichen Falschangaben in der Regel nicht.

Bei allen wesentlichen Gemeinsamkeiten sind es aber doch die feinen Unterschiede, die die Entscheidungsgrundlage für die meisten Versicherungsnehmer bilden. Die Frage, ob eine Risikolebensversicherung oder eine Kapitallebensversicherung das richtige Produkt für die eigenen Bedürfnisse ist, lässt sich am besten beantworten, wenn die Unterschiede der einzelnen Versicherungsvarianten kritisch geprüft werden.

 

Die Risikolebensversicherung im Detail

Wer eine Risikolebensversicherung abschließt, möchte seine Angehörigen abgesichert wissen, wenn er selbst frühzeitig versterben sollte. Dieses Produkt ist keine Kapitalanlage sondern eine ausschließliche Risikoabsicherung. Die bei Vertragsabschluss vereinbarte Versicherungssumme wird dementsprechend auch nur im tatsächlichen Todesfall an die Hinterbliebenen der versicherten Person ausbezahlt. Dabei ist entscheidend, dass der Versicherte nachweislich eines natürlichen Todes gestorben ist und der Tod nicht von ihm selbst oder einer dritten Person absichtlich herbeigeführt wurde.

Beim Abschluss der Risikolebensversicherung wird eine feste Laufzeit für den Vertrag festgelegt. Tritt der Todesfall innerhalb dieser Vertragslaufzeit ein, haben die Hinterbliebenen den im Vertrag zugesicherten Anspruch auf Versicherungsleistung. Nach Ablauf dieser Vertragslaufzeit erlischt der Anspruch aus der Risikolebensversicherung. Tritt der Todesfall der versicherten Person erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit ein, sind die Ansprüche der Hinterbliebenen nicht mehr vorhanden. Auch die monatlichen Beiträge, die während der Vertragslaufzeit geleistet wurden, gelten damit als verloren. Sie dienen lediglich der Risikoabsicherung und stellen keinen Kapitalaufbau dar.

Risikolebensversicherungen sind häufig schon für einen sehr geringen monatlichen Beitrag erhältlich und stellen damit eine besonders kostengünstige Variante des Hinterbliebenenschutzes dar. Der kostenlose Beitragsrechner unter ergodirekt.de zeigt einige Mustertarife und lässt Kostenkalkulationen im Rahmen der eigenen Wunschparameter durchführen.

Wer sich für eine kostengünstige Risikolebensversicherung entscheidet, muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass nach Ablauf der vertraglich vereinbarten Laufzeit kein Anspruch auf eine Rückerstattung der Beiträge besteht, falls der Versicherungsfall nicht eingetreten ist.

 

Die Kapitallebensversicherung im Detail

Die Kapitallebensversicherung hat in den vergangenen Jahren merklich an Beliebtheit verloren. Grund dafür sind die niedrigen Kapitalmarktzinsen, die dafür sorgen, dass angelegtes Kapital kaum noch Zuwachs bringt. Es war sogar vielfach von einem regelrechten Werteverfall der mühsam besparten Kapitallebensversicherungen die Rede. Zahlreiche Kündigungen enttäuschter und erboster Versicherungsnehmer waren die Folge. Der Risikoschutz mit angeschlossenem Kapitalbaustein ist allerdings nicht in jedem Fall eine schlechte Wahl.

Der wesentliche Unterschied der Kapitallebensversicherung zur Risikolebensversicherung besteht darin, dass Versicherungsnehmer nicht nur im Todesfall eine Leistung zu erwarten haben. Die Kapitallebensversicherung wird deshalb auch häufig eine Versicherung auf Tod und Erleben genannt. Verstirbt die versicherte Person während der vereinbarten Vertragslaufzeit nicht, so ist lediglich der Risikoanteil des Versicherungsbeitrages verloren. Der Beitrag besteht allerdings aus einem Risiko- und einem Kapitalanteil. Der Kapitalbaustein, der an die Risikoabsicherung angeschlossen ist, bleibt bestehen und wird vom Versicherer zu einem bestimmten Prozentsatz verzinst. Der Wertzuwachs ergibt sich aus dem im Vertrag festgelegten Garantiezins und der Beteiligung an den vom Versicherungsunternehmen erwirtschafteten Überschüsse. Eine definitive Gesamtsumme ist dem Versicherer also vor dem Zeitpunkt der Leistung nicht bekannt. Aufgrund des Niedrigzinsniveaus der letzten Jahre waren die Prognosen für Kapitallebensversicherungen deshalb häufig äußerst schlecht. Vor allem ältere Verträge können allerdings durchaus noch interessante Wertzuwachsoptionen bergen.

In welcher Form das angesparte Kapital später an den Versicherungsnehmer ausbezahlt wird, hängt von den im Vertrag festgelegten Vereinbarungen ab. Eine Einmalzahlung ist ebenso möglich wie eine monatliche Rente. So lässt sich durch das Kapital aus einer Kapitallebensversicherung zum Beispiel die gesetzliche Altersrente aufstocken oder ein Immobiliendarlehen ablösen. Auch bei der Kapitallebensversicherung ist es nämlich möglich, die Police im Rahmen eines Versicherungsdarlehens zu beleihen, um einen Tilgungsplan zu bedienen.


 

Kapital aufbauen oder Risiko absichern?

Bei allen Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen Versicherungsvarianten bleibt dem Verbraucher die Qual der Wahl. Soll ein Kapitalbaustein für die Altersvorsorge dabei sein oder ist es besser, nur das potentielle Risiko möglichst kostengünstig und effizient abzusichern? Die einzig richtige Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Nur eine kritische Analyse der eigenen Bedürfnisse kann die Entscheidung bringen.

Verbraucherschützer raten allerdings vor allem Familien dazu, von einer teuren Kapitallebensversicherung abzusehen. Sie weisen darauf hin, dass der Wertzuwachs dieser Produkte derzeit einfach zu gering ist, um eine sinnvolle Altersvorsorge darzustellen. Besser sei es bei der derzeitigen Lage auf den Finanzmärkten, einen günstigen aber umfangreichen Risikoschutz einzukaufen und die Spar- und Vorsorgepläne mithilfe anderer Finanzprodukte umzusetzen. Gleichzeitig weisen Experten darauf hin, dass die Aufteilung der Kapitallebensversicherung in einen Risiko- und einen Kapitalbaustein den Risikoschutz schmälert, sofern Versicherungsnehmer den monatlich zu leistenden Beitrag nicht deutlich aufstocken möchten. Das bedeutet aber auch, dass die Leistung im Todesfall in aller Regel deutlich geringer ausfällt als bei einer reinen Risikolebensversicherung. Je nach Lebensumständen ist es möglich, dass die Leistungen im Ernstfall nicht ausreichen, um die finanzielle Lück der Hinterbliebenen tatsächlich zu schließen. Vor allem dann, wenn der Todesfall bereits nach einer kurzen Vertragslaufzeit eintritt, ist der Kapitalbaustein nicht ausreichend, um den Verlust auszugleichen.

Bei einer Risikolebensversicherung haben Angehörige dagegen Anspruch auf die volle Versicherungssumme, auch wenn der Vertrag noch nicht seit vielen Jahren bedient wird.

Wer einen optimalen Risikoschutz im Todesfall wünscht und gleichzeitig langfristig etwas für seine Altersvorsorge tun möchte, ist Verbraucherschützern zufolge besser beraten, wenn er beide Bereiche voneinander trennt und eine Risikolebensversicherung abschließt. Für das Sparvorhaben und die Altersvorsorge sollte dann eine separate Beratung in Anspruch genommen werden.