Das kann teuer werden: Falschangaben beim Arbeitsweg in der Steuererklärung

Steuererklärung schon fertig? Ja? Gut. Aber hoffentlich haben Sie bei der Entfernungsangabe zwischen Ihrer Wohnung und Ihrer Arbeitsstelle genau nachgemessen. Denn sonst könnte es teuer werden. Denn wer jahrelang in seiner Einkommenssteuer mehr Kilometer für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstelle angibt, dem droht laut ADAC ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Wie kommt der ADAC zu dieser Aussage? Nun, vor Gericht wurde unlängst ein solcher Fall verhandelt. Hierbei hatte eine Arbeitnehmerin über Jahre hinweg in ihrer Einkommenssteuererklärung falsche Angaben zu den Entfernungskilometern der Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gemacht. Anstatt der tatsächlichen zehn Entfernungskilometer hatte sie seit 1996 eine Strecke von 28 Kilometer angegeben. Erst im Jahr 2006 stellte die Finanzbehörde durch eine Abfrage im Routenplaner fest, dass die Angaben nicht korrekt waren. Sie änderte daraufhin rückwirkend die Einkommenssteuerbescheide der vergangenen zehn Jahre.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hält nach seinem Urteil vom 23. März 2011 (Az.: 3 K 2635/08) eine rückwirkende Änderung für rechtlich zulässig, da durch die Routenplanerabfrage neue Tatsachen bekannt geworden seien, die eine Änderung der Einkommenssteuerbescheide notwendig machte.

Die zuvor jahrelang überhöhten Angaben der Steuerpflichtigen seien für das Finanzamt weder widersprüchlich noch zweifelhaft gewesen. So hätte es für die Finanzbehörde keinen Anlass gegeben, Ermittlungen hinsichtlich der tatsächlichen Entfernungskilometer anzustellen. Die Einlassung der Arbeitnehmerin, sie habe irrtümlich angenommen, die Entfernungskilometer entsprechen den tatsächlich gefahrenen Kilometern, konnte das Gericht nicht überzeugen.

Passen Sie also gut auf, dass Sie nicht zu viel Kilometer in Ihrer Steuererklärung angeben. Denn ein solches Verfahren kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe enden. Auf jeden Fall aber muss man mit einer rückwirkenden Änderung der Steuerbescheide und gegebenenfalls mit Nachzahlungen rechnen.

Am besten Sie machen Ihre Steuererklärung mit Lohnsteuer kompakt. Das Online-Programm rechnet automatisch die gefahrenen Kilometer aus und trägt sie in die Steuererklärung ein. So können Sie sich viel Ärger ersparen.

7 Gedanken zu “Das kann teuer werden: Falschangaben beim Arbeitsweg in der Steuererklärung

  1. He!

    Echt ein super Beitrag!
    Wer das liest und dann immer noch den Fehler begeht und zu viel angiebt ist wohl selber schuld.
    Ich meine man hat doch auch früher immer schon auf’s genauste aufgepast und wenn jetzt auch noch Routenplaner verwendet werden, wo soll das hinführen!
    Vieleicht fahren die noch selber die kilometer ab, oder was?

  2. Also ich hatte bisher immer den Verdacht, dass die Sachbearbeiter Google-Maps benutzen. Ich hatte mich auch ein bis zwei mal in meiner Steuererklärung geirrt und es wurde sofort nach korriegiert. Passiert ist allerdings auch nichts. Kann sein, dass dies nach Jahren des nicht entdeckens unangenehme Folgen haben kann. Aber I-Net haben die Sachbearbeiter dort bestimmt auch mitlerweile 🙂

  3. Google Maps nutze ich persönlich auch für die Enfernungskilometer. Entscheidend ist aber nicht der kürzeste Weg, sondern der wirtschaftlichste, der natürlich länger sein kann. Wenn also auf der Autobahn immer Stau ist, darf man auch gerne ein paar Kilometer mehr über die Landstraße angeben. Zuviel sollte man allerdings nicht „schummeln“

  4. So zu übertreiben ist zwar schon ne sache für sich… aber das mit dem „genauen nachmessen“ find ich dann doch übertrieben.. ich meine 2-3 Km mehr können doch nicht zu einer strafe führen oder? :O

  5. Hallo Julia,

    mal über den Tellerrand schauen?!
    Entfernungspauschale ist pro Km = 0,30 Euro. In D gibt es ca. 35.000.000 Arbeitnehmer. Wenn jeder nur 1 Km mehr an gibt, kostet das den Staat ca. 10.500.000,00 Euro. Das Ganze mal 2 oder 3?
    Da lohnt es sich schon mal nachzumessen 😉

  6. Ich habe auch die Erfahrung, das die Finanzamt – Sachbearbeiter google Maps nutzen.
    Wenn man die Zeit hat sich zu streiten, dann kann man einen wirtschaftlicheren Weg auswählen, muss dann aber ggf nachweisen, warum man diesen Weg angegeben hat…
    Ein paar Kilometer mehr über die Landstraße kann zu viel Diskussionen führen.

  7. Wenn jemand bei seiner Steuererklärung bei der Entfernungsangabe zwischen Wohnsitz und dem Arbeitsplatz ganze 10 Jahre lang falsche Zahlen angibt und es den Bearbeitern nicht aufgefallen ist, wo sollte man denn eigentlich nach einem Fehler zuerst suchen? Wozu werden Steuerklärungen überhaupt bearbeitet?

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