Wer kennt es nicht? Das Bild vom Versicherungsmakler, der einen Hausbesuch macht. Man denke an Herrn Kaiser: Grauer Anzug, dicke Brille, Aktentasche. Wer will so ein Dasein fristen? Das ganzes Berufsleben als grauer Herr resp. graue Dame durch die Häuserlandschaft ziehen? Niemand! Das haben auch die Versicherungen erkannt. Sie wollen weg vom staubigen Image, damit sich wieder mehr Jugendliche im ausbildungsfähigen Alter für sie interessieren. Acht Versicherungsunternehmen haben sich nun zu einer Employer Branding Kampagne zusammengetan – hui!

Eine schicke Retro-Tapete ziert die Webseite, auf der um neue Auszubildende geworben wird. Ein Junge, man kann sich ihn leider nur zu gut auch im Anzug vorstellen, trägt dort (noch) Hose, Kappe und einen Karton. Auf dem Karton kann man sich durch die sieben Tätigkeiten/Berufe/Gegenstände klicken, die nicht besser sind als eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Was bedeutet, dass die Ausbildung zum Versicherungskaufmann  besser ist als diese sieben Tätigkeiten/Berufe/Gegenstände.

Nämlich: Versicherungskaufmann sein ist besser als Popstar – weil die Musik in der Versicherungsbranche jeden Tag neu spielt – leuchtet ein: Als Popstar muss man ja bis zum Geht-Nicht-Mehr dasselbe Lied wiedergeben. Wer will das schon. Versicherungskaufmann sein ist auch besser als eine Party, weil man ja sowieso „jeden Tag ein Get-Together“ hat. – Stimmt, ist wohl so, als würde man jeden Tag mit seinen besten Kumpels runhängen, nur eben auf Arbeit.

Nur noch ein Beispiel: Versicherungskaufmann sein ist besser als ein Tattoo, weil es ja auch „dauerhaft und zukunftssicher“ ist: „Denn solange es Menschen gibt, wird es auch Versicherungen geben.“ So einfach ist das. Der Vorteil liegt beim Versicherungsgewerbe, weil ja alle anderen Berufe überhaupt nichts mit Menschen zu tun haben und somit die alleinige Existenz der Menschen für andere Berufe auch keine Überlebensgarantie wäre. So.

Die restlichen Argumente müssen Sie selbst nachlesen. Dafür gibt es auch einen Grund: Hier stehen sie nicht. Sondern da.

Initiator der Kampagne ist das Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft in Hannover e.V., daran beteiligt sind Allianz, Concordia, Hannover Rück-Gruppe, Mecklenburgische, Talanx, VGH, VHV Gruppe und Volkswagen Financial Services.

Geworben wird auf allen Kanälen, für die sich die angehenden Auszubildenden heutzutage interessieren: Facebook, Twitter, Schüler VZ  und so weiter. Dazu gibt es eine „Roadshow“ an Gymnasien sowie Banner und Anzeigen in den einschlägigen Medien.

Hoffentlich sind dann nicht bald alle anderen Ausbildungsberufe unterbesetzt…