Sie brauchen eine neue Lampe, einen Schrank, Kleidung… aber Ihnen fehlt das Geld? Macht nix! Wenn Sie ein paar Leichen im Keller haben können Sie sich das trotzdem leisten. Denn auf dem Intimflohmarkt vom 5. bis 7. November in Karlsruhe kann jeder, der ein kleines, schmutziges Geheimnis hat einkaufen gehen.

Kaufen kann man auf dem Flohmarkt das Übliche, nur bezahlt wird nicht mit Barem, sondern mit privaten Enthüllungen. So kostet eine Jacke möglicherweise zwanzig Minuten über ein peinliches Erlebnis oder ein Spiegel fünf Minuten über das erste Mal. Je wertvoller das Objekt der Begierde, desto origineller sollte auch die Geschichte sein, die der Käufer dem Verkäufer erzählt. Grundsätzlich gilt wie bei konventionellen Flohmärkten auch: der Preis ist Verhandlungssache. Und selbstverständlich können auch Besucher des Flohmarkts Waren mitbringen und gegen Geheimnisse an die Betreiber des Flohmarkts verkaufen.

Der Intimflohmarkt findet im Rahmen der ARD Hörspieltage 2009 statt und ist ein Projekt der Performance-Künstlerin und SWR2-Autorin Alexandra Müller. Doch wieso glaubt Frau Müller, dass Menschen dazu bereit sind einen Seelen-Striptease für einen Schrank hinzulegen? Ganz einfach: weil es die meisten ja eh schon tun. Der Intimflohmarkt soll, so der SWR2, die „Konsumrealität im Internet als Kunstobjekt“ thematisieren.

Im Netz tauschen viele User ihre persönlichsten Daten und Erlebnisse gegen eine Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ und Co. Nur, von facebook bekommt keiner einen Schrank, oder? Auf dem Intimflohmarkt schon!

Übrigens: Die Geständnisse strahlt der Radiosender SWR2 als Hörspiel am 6. Juni 2010 aus. Selbstverständlich anonym und nur mit Einwilligung der Erzähler.