Das ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Die City BKK hat es satt, sich von jungen Versicherten unverstanden zu fühlen. Denn eine Meinungsumfrage hat ergeben, dass „Krankenversicherungen ein kompliziertes, ernstes und besonders für junge Menschen nicht gerade sexy Thema“ sind. So. Nicht sexy? Muss denn immer alles sexy sein? – Ja, meint wohl  die City BKK und hat die „Kranke Kasse“ gegründet. Ist krank denn sexy?

Ja, warum heißt die Kasse dann nicht gleich „Sexy Kasse“? Wenn ich mich mit Durchfall im Wartezimmer des Arztes krümme, will ich eine sexy Krankenkasse!

Aber mal von Anfang an: Das Meinungsforschungsinstitut tns Emnid hat 20 bis 26-Jährige befragt. Die Ergebnisse sind laut Auftraggeber City BKK  „alarmierend“ (Huch):

„22 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Krankenkassen nicht ausreichend auf Bedürfnisse junger Versicherter eingehen. Neun Prozent sind unzufrieden mit der Kommunikation zwischen Kasse und Mitglied. Außerdem hatten elf Prozent schon mindestens einmal Probleme mit der eigenen Kasse“, heißt es in der Pressemitteilung.

Gut. Dagegen ist also erste Maßnahme, ein buntes, flippiges Portal ins Netz zu stellen, das auf den ersten Blick wirklich total krank wirkt. Alles blink und dudelt. Ein cooler Spruch jagt den nächsten. „Gratis Zahn-Tuning“ wird geboten, coole Versichertenkarten, Bonusquadrate statt Bonuspunkten und ein Mitleidstool mit zwei sexy Mitleidsexperten soll dem Versicherten helfen, wenn ihn sonst keiner tröstet: Die Experten bemitleiden eine Person nach Wahl oder den (kranken) Nutzer selbst. Gibt man einen Namen und eine Krankheit (Bulimie, Depression, Durchfall, Herpes, Impotenz usw.) ein, gibt der Experte Erkaan Sekks, der ein sexy weißes Feinrippunterhemnd trägt, sehr nette „ohhs“ und „uhhs“ von sich und meint „dis tut mit Leid“ und reibt sich dabei die Arme – witzig beim ersten Mal.

Ansonsten bietet die Kranke Kasse ganz konventionell alle Leistungen aus dem gesetzlichen Leistungskatalog, die gesetzliche Kündigungsfrist und zahlen muss man auch den gesetzliche vorgeschriebenen Beitragssatz.

„Meine Krankenkasse ist kacke“

Den Anstoß zur Kranken Kasse habe der Online Aktivist und Blogger Kay Karstensen gegeben, so die City BKK. Der hatte eine Facebook-Seite eingerichtet unter dem Namen „MEIKIK-Meine Krankenkasse ist kacke“. Als er selbst eine Krankenkasse mit dem Namen „Kranke Kasse“ gründen wollte, drohte die City BKK mit einer Unterlassungsklage, denn sie hatte den Namen bereits für sich schützen lassen. Doch statt Klage gab es  dann eine Kooperation, schreibt Karstensen auf seiner Seite.

„Wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema ‚Krankenkasse verjüngen‘ und suchen Möglichkeiten, junge Menschen kommunikativ zu erreichen“, erklärt CITY BKK-Pressesprecher Torsten Nowak.

Hoffentlich sind die jungen Menschen alle cool genug und versichern sich bei der Kranken Kasse. 😉

Wers sehen will, kuckt hier: Kranke Kasse

Die Gründer der Kranken Kasse

Die Gründer der Kranken Kasse (Quelle: City BKK/Kranke Kasse)