Die Wettbewerbszentrale hat mit 2008 ein arbeitsreiches Jahr erlebt. Insgesamt musste die Zentrale 2008 mehr als 16.000 Beschwerdefälle über unrechtmäßige Geschäftspraktiken über alle Branchen hinweg bearbeiten. Die Gründe für die Rechtsverletzungen reichen von blanker Unkenntnis über das zunehmende Dickicht an Regulierungen bis hin zu vorsätzlichen oder gar gezielten Behinderungen von Wettbewerbern oder Übervorteilung von Kunden.

Ganz oben auf der Liste der Wettbewerbsbeschwerden stehen Irreführung und mangelnde Transparenz. Mehr als 5.000 Beschwerdefälle betrafen im Jahr 2008 den weiten Bereich der Täuschungen und Mogeleien.

Und natürlich: auch der Finanzbereich hat seine schwarze Schäfchen. So werben Banken häufig mit den Slogans „100-prozentige Sicherheit“ oder „ohne Risiko!“. Gerade zu Zeiten der Finanzkrise kann aber niemand absolute Sicherheit versprechen.

Abmahnverfahren wurden eingeleitet gegen mehrere namhafte Institute u. a. wegen irreführender Produktwerbung mit falschen Verzinsungsangaben oder Tilgungsberechnungen: Die Commerzbank hatte Ende des Jahres für eine Immobilienfinanzierung mittels Schweizer Franken geworben, wobei ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, die Tilgung werde auf 10 Jahre festgeschrieben. Das Berechnungsbeispiel basierte allerdings auf einer 30-jährigen Tilgung. Bei einer 10-jährigen Tilgung musste der Kunde weit mehr als die doppelte der in der Werbung angegebenen Monatsrate zahlen.

Eine bekannte Direktbank musste sich ebenfalls zur Unterlassung verpflichten: Sie hatte geworben mit der irreführenden Aussage „Kostenloses Depot + 50 Euro Startguthaben“. Tatsächlich gab es kein solches Geld-Guthaben, sondern Fondsanteile im Wert von 50 €.

Die Bayerische Hypo- und Vereinsbank hatte für eine Kapitalanlage mit der Aussage „HVB 8,50 % München Anleihe – zum Stadtgeburtstag gut aufgelegt“ geworben. Anders als vom angesprochenen Publikum zu erwarten, handelte es sich bei dem Produkt aber gar nicht um ein festverzinsliches Wertpapier mit der angekündigten Nominalverzinsung. Vielmehr wurde mit dieser irreführenden Werbung ein so genanntes Garantiezertifikat im Bereich von Aktienpaketen und Aktienkörben angeboten, bei dem eine Verzinsung in der beworbenen Form nicht stattfindet.

Auch traten einige Finanzunternehmen an ihre eigenen Kunden mit verschleierter Werbung heran. So hatten etwa die Deutsche Bank und die Victoria Versicherung Geschäftsbriefe mit dem Betreff „Ihr Zulagenkonto“ an Bestandskunden versandt, die ihnen suggerierten, sie müssten zur Vermeidung von Nachteilen aktiv werden und sich an ihre Bank oder Versicherung wenden. Wer sich bei seinem Institut meldete, dem wurden dann allerdings Altersvorsorgeprodukte angedient.