Durch die Finanzkrise ist das Vertrauen der Anleger in Banken und besonders deren Manager gesunken. Was wäre wohl gewesen, wenn die Entscheidungen auf viele Schultern verteilt gewesen wären, wenn zum Beispiel auch die Kunden ein Mitsprachrecht gehabt hätten? Das fragte sich auch Matthias Kröner, Vorstand der Fidor AG und gründete daraufhin „ficoba“. GELD kompakt fragte nach, was es damit auf sich hat.

Herr Kröner, Sie betreiben mit Ihrer neuen Plattform „community banking“ oder auch „Banking 2.0“ – Können Sie uns kurz erklären, was sich der User darunter vorstellen kann?

Das Motto von www.ficoba.de bringt es in vier Worten auf den Punkt: „Sie sind die Bank!“. Unser Ansatz ist es, den Kunden und dessen Wünsche und Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Dies bedeutet nichts weniger als ein komplett neues Selbstverständnis – sowohl aus dem Blickwinkel einer Bank, als auch des Bank-Kunden.

User von Ficoba.de werden im klaren Gegensatz zu jedem herkömmlichen Banking-Modell zu einem echten, extrem ernst genommenen Bestandteil der Wertschöpfung des Unternehmens. Dazu nutzen wir die Möglichkeiten des Internets: Wir bieten Transparenz, wo und wie das Geld des Kunden arbeitet – und für wen. Wir kommunizieren über alle Social Media Kanäle, sind dialogbereit und zeigen offen, was wir tun.

GELD kompakt-Interview mit Matthias Kröner Wenn der User will, kann er aktiv darin mitwirken, neue Produkte zu entwickeln. Und: Jede Aktivität, jedes Engagement des Kunden, das der Bank einen Vorteil bringt, wird belohnt. Nicht mit irgendwelchen Punkten, Meilen oder Kaffeemaschinen, sondern mit Cent und Euros. „Mitmachen – mitverdienen“. Auf diese Formel kann man es bringen.

Dieser Ansatz ist einmalig. Oder versuchen Sie einmal, bei Ihrer Hausbank mit dem Vorstand über neue Produkte zu sprechen. Ob er Sie vorlässt? Fraglich. Ob er Ihnen für das Gespräch, bzw. für eine Produktidee Geld bietet? Ausgeschlossen. Bei uns ist es hingegen möglich. Täglich. Zu jeder Zeit.

Web 2.0 ist nicht gerade eine neue Idee. Warum starten sie gerade jetzt?

Web 2.0 ist sicherlich keine neue Idee. Der Begriff ist auch schon ziemlich abgenutzt, ohne dass jedoch einzelne Industrien/Branchen die sich hieraus ergebenden Möglichkeiten in ihren jeweiligen Ansatz integriert hätten. Dabei bietet diese Entwicklung gerade für das Thema Finanzdienstleistung eine Menge an Chancen. Vor diesem Hintergrund und dem Hintergrund der Finanzkrise sind wir der Meinung: Die Zeit ist reif! Web 2.0 und Banking sind untrennbar mit dem Austausch von Information verbunden. Die deutschen Internetuser haben seit geraumer Zeit die Möglichkeiten des Webs erkannt. Und: Durch die Finanzkrise sind sie massiv in Bezug auf die Verlässlichkeit und Ehrlichkeit der Banken verunsichert.

Fidor Community Banking ist unsere Antwort auf diese gegenwärtige Situation. Unsere Kunden finden bei uns genau das, wonach sie suchen – und was sie bei einigen Banken womöglich zu Recht anzweifeln: nicht die Vertretung von Eigeninteressen, sondern Offenheit, Ehrlichkeit, Messbarkeit, Dialog. Und maximale Sicherheit.

FiCoBa tritt als neue Bank an. Dazu haben Sie eine Vollbanklizenz beantragt. Was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

Die Vollbanklizenz wurde uns zwischenzeitlich erteilt. Hierauf sind wir ausgesprochen stolz! Und ich denke zu Recht, denn derzeit haben wir eine Situation, in der man sicherlich auf viele Ideen kommt, wahrscheinlich aber nicht unbedingt auf die Gründung einer neuen Bank.

Der Bankbetrieb wird in diesem Jahr noch aktiv aufgenommen. Bis dahin arbeiten wir – juristisch gesehen – als Vermittler für und mit der SWK Bank, die auch in Zukunft unser Back Office Partner sein wird. Hier werden also alle technischen Bank-Prozesse abgewickelt.

Die eigentliche Bank-Idee findet jedoch bei uns, bei Ficoba.de statt. Bedeutet: Schon heute kann der Kunde in den Vorteil von Fidor Community Banking kommen.

Sie wollen, dass die User mitmachen, Stichwort MitVERDIENBank oder MitBESTIMMBank. Was genau erwarten Sie von den Usern, in welcher Form soll er mitmachen? Und was passiert, wenn er nicht mitmacht?

Raiffeisen’s Ausspruch von vor rund 150 Jahren könnte von heute sein: „Was der einzelne nicht vermag, das vermögen viele.“ Unser Konzept baut also auf die feste Überzeugung, dass sich das Wissen und die Information des Einzelnen zum Thema Finanzen durch den gezielten Austausch mit anderen zu einem unschlagbaren Mehrwert entwickelt – für alle Beteiligten. Dies bedeutet jedoch keine Verpflichtung: Wer nicht Informationen teilen will, muss dies nicht tun. Wer sich aber aktiv einbringt und so seinen Teil in das erfolgreiche Bankmodell der Zukunft investiert, profitiert in mehrfacher Hinsicht.

Das zentrale Werkzeug für unsere Vorgehensweise ist unser Bonus-Programm, zu finden unter https://bonus.fidor.de/. Hier kann der User aktuell sehen, für welche Aktion welcher Bonus ausgesprochen wird. Empfehlen User unsere Seiten oder die Produkte weiter, gibt es Geld. Werden Produkte abgerufen – ebenfalls. Beiträge zu unserer Video-Diskussion werden mit bis zu 500 Euro belohnt und die erfolgreiche Umsetzung eines User-Produktvorschlags bringt 1.000 Euro.

Gibt es schon erste Produkte, die auf Ideen von Usern hin entwickelt wurden?

Erste Produkte stehen kurz vor dem Abschluss. Bspw. gibt es erstaunlicher Weise kein gut verzinstes Mietkautionskonto – aber jede Menge Nachfrage, wie Diskussionen auf unserer weiteren Plattform Gemege.de (Gemeinsam Mehr Geld) zeigt: http://gemege.fidor.de/wunschprodukt/mietkautionskonto

Wer wagt, der fragt: Kurze Fragen erfordern kurze Antworten:

Rotwein oder Weißwein?

Im Zweifel: Weißwein! Als Münchner aber auch immer gerne ein kühles Helles.

Anzug oder Jeans?

Lieber Jeans.

Auto oder Zug?

Täglich U-Bahn, also Zug.

Kaviar oder Hamburger?

Gott sei Dank beides!

Golf oder Porsche?

Mein Traum? ein Porsche 356 B, Baujahr 1962!

Vielen Dank für das Interview.