Gericht bestätigt: Keine Versicherungen beim Discounter

Bei welchem Lebensmittel-Discounter schließe ich meine Versicherung ab? Diese Frage klingt utopisch und so wird es wohl auch bleiben. Denn das Landgericht Wiesbaden hat jetzt entschieden: Der Lebensmittelkonzern Rewe darf in seinen Penny-Märkten keine Versicherungen verkaufen.

Mit diesem Urteil wurde einer Klage des AfW-Bundesverbands Finanzdienstleistung stattgegeben. Zwar ist das Urteil (Az: 11 O 8/08) noch nicht rechtskräftig, die Begründung liegt noch nicht vor.
Jedoch müssen seit Mai 2007, seit der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtline, Versicherungvermittler eine Gewerbeerlaubnis der Industrie- und Handelskammer haben, die fehlte laut AfW bei Rewe und Penny allerdings.

Im Herbst 2007 noch konnte man in Penny-Läden ein Versicherungspaket der Arag käuflich erwerben, die Kaufsumme wurde auf die erste Prämie angerechnet. Also sei Penny als Vermittler ohne Genehmigung aufgetreten, so der AfW in einer Pressemitteilung.

Auch Geld Kompakt hat mehrfach über das Verkaufen von Versicherungen im Supermarkt berichtet. Zuletzt gab es Gerüchte um mögliche Versicherungen bei ALDI, die Aktion wurde jedoch abgeblasen. Die Rentenversicherung bei Plus machte ebenfalls keine guten Schlagzeilen. Hierbei sollten die Verbraucher mittels Kreditkarte ihre private Rente aufstocken. Und bereits 2006 gab es die Rechtsschutzversicherung der Arag bei Penny zu kaufen. Das alles könnte durch dieses Urteil – auch in Zukunft – Schnee von gestern sein.

Denn es ist auch wirklich ein Widerspruch in sich, wenn in Discountermärkten Versicherungs- und Anlageprodukte verkauft werden. Dort spart man schließlich an allen Ecken und Enden: Die Waren werden in Kartons präsentiert, wer Fragen hat, sucht oft vergebens nach einem Ansprechpartner.

Schließlich wäre es auch ein Unding zu glauben, man könnte als Kunde eine Information zu einem speziellen Versicherungprodukt bekommen. Das ist einfach nicht zu machen im Discounter. Dennoch ist die Dokumentation einer Beratung seit Mai 2008 Pflicht für Vermittler – geht also im Prinzip gar nicht. Es sei denn, der Kunde verzichtet auf Beratung und Dokumentation. Soll er jedoch an der Kasse noch eine Verzichtserklärung unterschreiben? Das würde nicht nur den Kunden sondern auch den Kassierer überfordern.

Fazit: Von diesem Vertriebsweg kann man sich getrost verabschieden. Kunden haben gute Beratung und Informationen zum Produkt sowie eine Entscheidungsmöglichkeit ohne Zeitdruck verdient.

Hier noch ein Text zur Vermittlerrichtlinie.

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