Sportwetten werden ja bekanntlich immer populärer. Auch viele Banken verknüpfen gerne die „Wette“ auf den Ausgang eines Sportereignisses mit Anlageangeboten. Die Fußball-Europameisterschaft im Juni bietet wieder eine willkommene Gelegenheit, unter Fans um neue Kundschaft zu buhlen. Zur Freude über Siege soll gleich noch die Freude über eine steigende Verzinsung des Anlagekapitals kommen. Doch schaut man sich die Offerten genauer an, macht sich eher Ernüchterung breit.

So zum Beispiel bei der Dresdner Bank mit ihrem „Europameisterkonto„. Darauf kann sich Tagesgeld mit bis zu fünf Prozent p.a. verzinsen. Allerdings nur, wenn Deutschlands Nationalkicker den Titel abräumen. Zwar liegen die bei den Wettquoten meist ganz vorne, jedoch sollte man nicht die beiden vergangenen Europameisterschaften vergessen, bei denen die Elf sang und klanglos unterging. Zwar bleiben einem dann immer noch recht ordentliche 3,75 Prozent Verzinsung, doch auch die ist in dieser Höhe nur bis zum 7. September garantiert. Und damit ist auch garantiert, dass Anleger mit anderen Tagegeld-Angeboten besser fahren können. Zumal: Die fünf Prozent winken erst nach dem Finale. Die mögliche Hochzinsphase gilt also nur für einen Teil des Anlagezeitraums.

Auch die Hypovereinsbank mischt bei der EM mit. Anleger sollen vom Champions Bond profitieren. Sie erwerben eine Kapitalschutzanleihe. Gewinnen Deutschland, Österreich, Rumänien, Tschechien, Italien, Türkei, Kroatien, Polen oder Russland den Pokal, fließen 106 Prozent des angelegten Kapitals an den Kunden zurück. Nicht schlecht, wenn da nicht gleich ein Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent zu zahlen wäre und die Laufzeit fünf Jahre betragen würde. Verliert man seine „Wette“, fließen nur 100 Prozent des Einsatzes wieder zurück. Lässt man mal die Inflation außen vor, ist die Sache also risikolos. Insgesamt ein recht kompliziertes Produkt, bei dem man nicht so genau weiß, was hinten rumkommt. Mit Aktienfonds oder selbst mit Festgeldanagen kann man da deutlich besser fahren.

Die PSD Bank Rhein-Ruhr bietet ebenfalls eine „Wett“-Anlage an. Fünf Prozent aufs Festgeld, sofern Deutschland im Finale siegt. Garantiert sind immerhin 4,25 Prozent. Den möglichen Topzins bieten Konkurrenten aber auch ganz ohne Wette an.

Die Offerten sind also nicht schlecht, doch Hochstimmung kommt nicht auf. Der Zinsjubel nach der EM dürfte sich in Grenzen halten. Besser ist es wahrscheinlich, Hoffnungen bei Geld und Fußball sauber zu trennen.