Sind wir Bankkunden zu träge?

Die Kölner Marketing-Agentur „Die Gefährten“ führte jüngst mit dem Magazin „acquisa“ unter 400 Kunden der City Bank, Commerzbank, der Deutschen Bank, Dresdner Bank, Sparkasse und Postbank eine Umfrage durch. Und fand heraus: Online-Direktbanken sind trotz günstigerer Konditionen, Zeitersparnis und Zusatzleistungen (noch) keine nennenswerte Konkurrenz zu den etablierten Filialbanken.

Über zwei Drittel der Kunden würden, wenn sie die Wahl hätten, wieder zu ihrer Hausbank gehen. Obgleich die Beratungsleistung der Bankmitarbeiter mit 2,6 eher mittelmäßig bewertet wird, würden nur etwa 40 Prozent der Befragten zu einer Online-Direktbank wechseln.

Nur jeder zehnte Befragte, so stellt die Umfrage fest, unterhält ein Konto bei einer Online-Direktbank. Allerdings schätzen diese zehn Prozent den Service von Internetbanken. Ein Drittel der Online-Banker sei von den günstigeren Konditionen und der guten Erreichbarkeit über Telefon und Internet überzeugt. Außerdem lobe jeder vierte Direktbank-Kunde die zahlreichen Zusatzleistungen wie kostenlose Kreditkarten. Knapp jeder Fünfte freut sich über die Zeit, die er spart, indem er von zuhause aus seine Bankgeschäfte erledigen kann. 90 Prozent der Online-Banker gab an, insgesamt mit dem Service ihres Kreditinstituts zufrieden zu sein.

Meiner Meinung nach zeigt die Umfrage vor allem eines: Homo consumensis ist ein träges Tier, das an alten Gewohnheiten hängt, wohl wissend, dass es bessere Angebote im Urwald der Finanzprodukte gibt. Diese Trägheit, oder positiv formuliert, diese Vorsicht bewahrt ihn andererseits auch vor wirtschaftlichem Schaden, wenn es mit den Finanzmärkten mal nicht so gut läuft.

Diejenigen, die bereits zu einer reinen Online-Bank gewechselt haben, profitieren von günstigeren Konditionen. Aber wenn es um riskantere und größere Geldanlagen geht, wäre mir die Filialbank vor Ort mit ausführlicher Beratung immer noch lieber. Nicht, dass ich die Berater in Filialbanken für besonders kompetent hielte (man darf nicht unfair sein, viele sind es!), aber gerade in Krisenzeiten ist eine real existierende Bank mit Filialen leichter greifbar als irgendeine Briefkastenbank in Timbuktu. Und das Online-Angebot der meisten Filialbanken ist inzwischen qualitativ sehr gut. Da verzichte ich eben auf das eine oder andere Prozent. Ich bin eben auch nur ein Homo consumensis.

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