Schwere Zeiten für Billigflieger. Gleich mehrere Gerichte vermiesen Germanwings, Ryanair und Co. die Lust am Fliegen und deckeln versteckte Gebühren und Zusatzkosten. Auch sollen Lockvogel-Angebote mit angeblichen Niedrigstpreisen, die sich bei der Online-Buchung plötzlich in luftige Höhen aufschwingen, bald verboten werden. Gut so. Doch damit erledigt sich für Schnäppchen-Jäger der Lüfte die Illusion, dass das Fliegen zum Spottpreis zu haben ist.

„Tut uns Leid, höhere Gewalt“. Mit diesem Spruch fertigte die Lufthansa einen Fluggast ab, der sein Ziel mit viereinhalb Stunden Verspätung erreichte und deshalb Entschädigung forderte. Selbst das Luftfahrtbundesamt, bei dem der Fluggast Beschwerde einlegte, gab dem Flugunternehmen Recht. Zu Unrecht, wie nun das Landgericht Köln urteilte.

Die Ausrede der Lufthansa, dass die Notbeleuchtung einen Defekt gehabt hätte und der Flieger deshalb nicht starten konnte, strafte der Fluggast, dummerweise selbst ein Luftfahrtexperte, Lügen. Er konnte nachweisen, dass der Defekt schon Stunden vorher festgestellt worden war und das Flugzeug dennoch geflogen war. Gleichzeitig konnte er nachweisen, dass die gebuchte Maschine nicht mal zur Hälfte ausgelastet war. Daher wehte also der Flugwind.

Das Urteil zeigt, dass Kunden gegenüber Fluggesellschaften in Deutschland noch immer einen schweren Stand haben. Schließlich ist es für diese ein Leichtes, unvorhersehbare Defekte Geltend zu machen und damit Entschädigungsleistungen für ausgefallene Flüge oder Verspätungen zu umgehen. Selbst das Luftfahrtbundesamt ist dem Kunden keine wirkliche Hilfe. In Anlehnung an einen Hit von Annie Lennox und Aretha Franklin müsste man stattdessen singen: Clients are doing it for themselves.

Auch die Germanwings, eine Tochter der Lufthansa, musste neulich Federn lassen, als ein Gericht es der Lufthansa-Tochter verbot, für Rückbuchungen eine Gebühr von 50 Euro für Rückbuchungen zu verlangen, für den angeblich „hohen manuellen Aufwand bei der Dateneingabe“. Was das genau heißen soll, konnte der Billigflieger dann doch nicht gerichtstauglich ausführen und legte eine Bruchlandung hin.

Die meisten Billigflieger locken ohnehin mit Angeboten, die sie gar nicht halten können. So dröhnt etwa Ryanair mit angeblichen 0-Euro-Flügen zu beliebten Urlaubszielen. Wer aber den Flug an den Traumstrand wirklich buchen will, muss ständig Geld nachschießen. Zu den ohnehin hohen Steuern und Flughafengebühren kommen dann plötzlich abenteuerliche Zuschläge hinzu. Von der Eincheck- über die Koffer-Gebühr bis hin zum Rollstuhl-Aufschlag. Letzteren muss bei Ryanair jeder bezahlen, auch wenn er gar kein Rollstuhlfahrer ist. Wer es wagt, mit Koffer in eine Ryanair-Maschine zu steigen, muss 9 Euro Gebühr berappen, beim zweiten Koffer sind es schon 18 Euro. Und zwar für die einfache Flugstrecke. Germanwings lässt sich neue Cockpit-Türen neuerdings mit 6,95 Euro pro Ticket von seinen Kunden bezahlen. Und so weiter.

Im Endergebnis lohnt es sich oft mehr, bei den klassischen Fluglinien zu buchen. Die starten dann wenigstens von Flughäfen, die nicht auf dem platten Land liegen. Die EU prüft zurzeit, ob die Lockangebote der Fluggesellschaften verboten werden sollen. Das wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn einen Kunden interessiert allein der Endpreis. Und nur den sollte er auch vergleichen müssen, um nicht schon vor dem Abheben eine Bruchlandung zu machen.