…das fragen sich Verbraucher und Anleger dieser Tage gleich mehrfach. Der Fall Société Générale und IKB werfen die Frage nach der Verantwortlichkeit des Bankenmanagements für Verluste und Pleitengeschäfte auf. Aber zum Glück springt der Steuerzahler ja gerne mit Milliardenzuschüssen ein. Ein Kommentar.

Da verzockte jüngst ein kleiner Investment-Banker bei der Société Générale in Paris fünf Milliarden Euro. Als handele es sich einfach nur um ein Monopoly-Spiel. Nun, der Analyst hat inzwischen tatsächlich die Karte „Gehen Sie direkt ins Gefängnis“ gezogen. Der Bankenvorstand weist – naturellement – jegliche Mitwisserschaft von sich.

Juristisch nicht zu vergleichen ist dieser Fall mit der aktuellen Krise der Mittelstandsbank IKB in Deutschland. Denn hierbei geht es nicht um Betrug und Fälschung, sondern um fatale geschäftliche Fehleinschätzungen, die nicht – oder zumindest nicht nachweisbar – kriminell motiviert sind. Ironisch könnte man die Sachlage folgendermaßen beschreiben: Die IKB hat sich einfach nur mit US-Immobilienkrediten ein bisschen verspekuliert – ups, sorry, jetzt sind ein paar Milliärdchen Euro perdu. Doch im Gegensatz zu Frankreich ist der deutsche Steuerzahler großzügig und kommt für den Schaden gerne auf. Die Société Générale muss dagegen ihren Schaden selbst verantworten. Strenge Franzosen, brave Deutsche?

Nun befürchtet man, dass eine Insolvenz der IKB weitere Banken in ihrer Existenz gefährden könnte. Von einem „Banken-Tsunami“ sprach gar ein Aufsichtsratsmitglied der staatlichen KfW-Förderbank, die mit 38 Prozent der Hauptaktionär der IKB Bank ist. Die Bundesregierung hilft daher der IKB mit einer Milliarde Euro aus. Weitere fünf Milliarden, so schätzen Experten aus Politik und Wirtschaft bis hin zum Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, werden zudem an Steuereinnahmen entfallen. Ein Ausmaß, dass nur noch mit der oben erwähnten Société Générale vergleichbar ist.

Sind die Banken eigentlich noch zu retten? Oder muss man sie vor sich selbst beschützen, damit nicht immer wieder der Steuerzahler das ungeschickte Taktieren von Bankenmanagern mit astronomischen Summen ausgleichen muss? Kaum einer fragt, was eine deutsche Mittelstandsbank auf dem Immobilienmarkt der USA eigentlich zu suchen hatte und warum niemand diese Geschäfte hinterfragt hat. Auch solange die Geschäfte scheinbar gut laufen, müssen Kontrollmechanismen greifen.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler Karl Heinz Däke fordert eine Aufklärung der IKB-Pleite durch neutrale Beobachter. Schließlich könne es nicht sein, dass niemand für das Bankdebakel zur Rechenschaft gezogen werde. Der Vorstandschef der IKB und weitere Vorstandsmitglieder haben nach einem Bericht der Bild-Zeitung gerade noch ein paar Millionen Euro Bonus für ihre gute Arbeit erhalten.

Die IKB zu retten ist sicher vernünftig. Doch wenn Kontrollmechanismen versagen und zuständige Top-Manager weiterhin nicht damit rechnen müssen, für ihr Verhalten personell und – in angemessenem Maße – finanziell zur Verantwortung gezogen zu werden, wird der aktuelle Fall der IKB sicherlich nicht der letzte gewesen sein. Zum Glück sprudeln ja – noch – die Steuereinnahmen.