„Kaum ein anderes Volk in Europa ist so sicherheitsorientiert wie die Deutschen und legt sein Geld so häufig in niedrig verzinste Anlagen wie Tagesgelder an“, klagt die Union Investment in ihrer Studie. Die Grafik zeigt, dass Deutsche nur etwa 7.000 Euro in Fonds investieren. In den USA seien es hingegen ganze 25.000 Euro. Der krasse Börsencrash der letzten Wochen zeigt zudem, wie unberechenbar Kursverläufe sind. Ein Blick in die Wahrscheinlichkeitsrechnung belegt, dass die Börse der Gauß’schen Normalverteilung leider gar nicht so recht folgen will.

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Wenn man sich den Börsenverlauf in einer stetig sich fortentwickelnden Kurve vorstellt, dann bekommt diese Kurve bei einem Crash einen deutlichen Ausschlag nach unten. Das war zum Beispiel gerade am 21. Januar 2008 der Fall. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ausreißers, mathematisch berechnet nach dem Gesetz der Gauß’schen Normalverteilung, ist äußerst gering und sollte daher nur selten vorkommen. Wie gesagt, mathematisch gesehen.

Die Realität zeigt, dass der Börse die Gauß’sche Normalverteilung herzlich egal ist. Zumindest hat dies ein Finanzprofessor in Barcelona in einer Untersuchung der Kursverläufe in 15 Ländern errechnet. Ausschläge nach unten kommen demnach viel öfter vor, als sie der Wahrscheinlichkeitsrechung nach vorkommen dürften.

An 99,73 Prozent aller Handelstage sollte die Börsenkurve höchstens um 3,17 Prozent sinken oder um 3,22 Prozent steigen. Wenn man also den Zeitraum von Anfang 1900 bis ins Jahr 2006 nimmt, bekommt man 29.190 Handelstage, von denen nur 79 Tage größere Schwankungen als normal gebracht hätten. In der Realität waren es aber 461 Tage. Das ist auch nicht viel, aber immerhin sechs Mal so häufig wie mathematisch angenommen.

Ebenfalls frappierend: Einen guten Tag mit über 9 Prozent Kurssteigerung dürfte es nach Gauß nur einmal in 1.003.561.397.831.590 Jahren (über eine Billiarde Jahre!) geben. Tatsächlich aber gab es in 107 Jahren 10 Tage mit einer solchen Steigerung. Wenn also ein Fonds-Manager mit mathematischen Modellen für ein Produkt wirbt, so sollte man ihm die reale Entwicklung entgegen halten.

Leider weiß man vorher nie, wann ein Ausschlag nach unten kommt. Der Finanzprofessor hat errechnet, dass ein Anleger, hätte er seit 1959 die zehn schlechtesten Börsentage des DAX vorausgesehen, heute 140 Prozent mehr Gewinn in der Tasche hätte. Wer dagegen die zehn besten deutschen Börsentage verpasst hätte, der hätte fast 54 Prozent weniger verdient.

Die einzige Erkenntnis, die man aus dieser Berechnung ziehen kann ist, dass Otto Normalanleger niemals durch Vorausberechnung der Kursverläufe den großen Gewinn machen wird. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit einfach zu gering. Wie beim Sechser im Lotto eben.