Aus der durch viele Beratungen gewonnenen Erfahrung haben sich bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fünf Punkte herauskristallisiert, warum Verbraucher einer Versorgungslücke im Alter nicht entgegenwirken. Die Menschen seien verunsichert wegen stäniger gesetzlicher Veränderungen, trauten Beratern wegen deren Provisionsinteressen nicht über den Weg, hielten diese für unqualifiziert, vermissten ein Haftungsrisiko bei Falschberatungen und fühlten sich selbst fachlich überfordert.

Angesichts häufiger Gesetzesänderungen würden etwa viele befürchten, dass die gesetzliche Rente auf eine Grundrente zusammengestrichen wird, die geplante Abgeltungssteuer Gewinne auffrisst oder bei Arbeitslosigkeit das Gesparte aufgelöst werden muss, so die Verbraucherschützer. Ein objektiver Vergleich von Altersvorsorgeprodukten sei den meisten Laien nicht möglich. Besonders bei der berieblichen Altersvorsorge, Riester Fondssparplänen und fondsgebundenen Rentenversicherungen seien Verbraucher aufgrund logischerweise nur in geringem Maße vorhandenen Kenntnissen des Steuer- und Sozialversicherungsrechts sowie der Kapitalmarkttheorie und Finanzmathematik häufig überfordert. Dass neun von zehn Lösungsvorschlägen, die Berater den Menschen machen, von den Verbraucherschützern als unzureichend angesehen werden, fördert das Vertrauen in die Kenntnisse der „Fachleute“ auch nicht unbedingt. Ihnen würden sowieso viele Verbraucher vorwerfen, nur an der eigenen Prvision interessiert zu sein. Die VZ vermutet sogar einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden im Zuge der provisionsorientierten Beratung. Würde nur das momentan verwaltete Aktienfondsvermögen von rund 240 Mrd. Euro so kostengünstig wie möglich angelegt, ließen sich laut VZ Kosten von 2,4 Mrd. Euro einsparen – das sei mehr als die Summe aller ausgezahlten Riester-Zuschläge. Zudem müssten Berater und Vermittler auch künftig ausschließlich gegenüber der Finanzaufsicht nachweisen, dass sie sorgfältig und kundenorientiert beraten haben. Kunden haben auf diese Daten keinen Zugriff und es damit vor Gericht schwer.

Die daraus resultierenden Verunsicherungen führten dann in vielen Fällen dazu, dass die Schließung der Rentenlücke erstmal verschoben werde.