Die Volksaktie B der Deutschen Bahn

Die Deutsche Bahn will und soll an die Börse. In Teilen der SPD reift diesbezüglich derzeit die Idee, das Unternehmen mit Hilfe von so genannten Volksaktien zu privatisieren. Großinvestoren soll damit die Möglichkeit der Einflussnahme bei der Bahn genommen werden. Ob der geplante Börsengang der Deutschen Bahn eine gute Idee ist, ist schwer zu beurteilen. Das Papier jedoch als neue Volksaktie zu bezeichnen, halte ich für eine unglückliche Wahl. Zu vorderst stehen hier natürlich die negativen Erfahrungen, die Kleinanleger bei den letzten Börsengängen ehemaliger Staatsmonopolisten gemacht haben. Die von Manfred Krug beworbene T-Aktie der Deutschen Telekom ist von ihren Höchstständen Lichtjahre entfernt und auch die Aktie Gelb der Deutschen Post AG mit den Gebrüdern Gottschalk als Werbefiguren konnte in seiner Entwicklung nicht wirklich überzeugen, hier ist sogar noch schlimmeres zu befürchten.

Denn bei der Privatisierung ehemaliger Staatsmonopolisten entsteht ein grundlegender Interessenskonflikt: Der Anleger will Gewinne in Form steigender Kurse sehen und der Bund will und muss den Wettbewerb stärken, auch wenn es dazu oft des Druckes der EU-Kommission bedarf. Das heißt ein ehemaliger Monopolist sieht sich nach der Privatisierung auf einmal mit Wettbewerbern konfrontiert, die seine Marktanteile schrumpfen lassen.
Was dann passiert zeigt sich aktuell am Beispiel der Telekom. Der Kurs geht in den Keller, in schöner Regelmäßigkeit wird das Management ausgewechselt und die Konzernstrategie „angepasst“.

Bei der Post und der Aktie Gelb muss man erst abwarten und die Entwicklung ab dem nächsten Jahr begutachten. Mit dem Auslaufen des Briefmonopols fällt der geschützte Bereich für die größte Einnahmequelle des Unternehmens. Wenn es schlecht läuft für die Post und deren Aktionäre, dann folgt die Aktie Gelb dem Beispiel der T-Aktie.

Es kann bei Börsengängen von Ex-Monopolisten jedoch auch anders herum laufen: Die Unternehmen werden vom Bund an die Börse gebracht und ein Markt nach außen hin liberalisiert. Dass dem oft nur scheinbar so ist, zeigt der Energiesektor. Offiziell ist der Markt seit 1998 liberalisiert und der Verbraucher kann auch ohne weitere Hürden seinen Anbieter wechseln, aber es beherrschen immer noch vier große Anbieter den Markt. Die Aktionäre von E.ON, Vattenfall und Co. können sich jedes Jahr aufs Neue über Rekordgewinne und weitere positive Unternehmenszahlen freuen.

Bei der Bahn wird der Ablauf wohl ein ähnlicher sein. Schließlich wird das Schienennetz aller Voraussicht nach nicht privatisiert, sondern weiterhin von der Bahn betrieben werden. Echter Wettbewerb sieht anders aus. Den zukünftigen Bahn-Aktionär würde es aber wohl freuen. Bis echter Wettbewerb einsetzt.

Übrigens Manfred Krug hat sich mittlerweile in einem Zeitungsinterview bei den Käufern von T-Aktien entschuldigt. Im Januar sagte Krug dem stern: „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“ Seine Werbespots für die T-Aktie bezeichnete er als seinen größten beruflichen Fehler. Seine Telekom-Aktien besitze er immer noch: „Ich betrachte es als eine Art Selbstbestrafung. Es sind bis heute die einzigen Aktien, die ich selbst gekauft habe.“

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