Die Berliner Sparkasse praktiziert die Kunst des Hineinversetzens, wie sie es nennt. Das dokumentiert sie zurzeit in einer großen Werbekampagne. Auf Plakaten, Online-Bannern und Anzeigen sehen wir Bank-Berater als Kunden verkleidet. Fünf verschiedene Motive stellen fünf verschiedene Szenen mit „typischen“ Alltagsmenschen dar. Auf der Webseite der Berliner Sparkasse  kann man die Kampagne nachverfolgen, falls man keine Zeitung liest,  nicht auf die Straße gehen möchte oder nicht in der Hauptstadt lebt. Ansonsten wird man als Berliner diese Bilder momentan kaum übersehen – sie sind wirklich sehr präsent.

Beim ersten Betrachten habe ich mir noch Fragen gestellt:  Die Kundenberaterin liegt auf dem Rücken und schraubt an ihrem Schreibtisch: Ist der kaputt? Die Bankerin trägt Fußball-Fan-Kluft, sitzt auf dem Banktresen, den Mund wie zum Gröhlen geöffnet: Trinkt sie Alkohol auf der Arbeit? Ihr Kollege hat einen Brautschleier auf dem Kopf – ist er sexuell verwirrt? Und der Banker mit Uhren und Ketten behängt, die Mütze schief auf dem Kopf, die Hände merkwürdig vor der Brust verkrampft: Hat der einen Gicht-Anfall? Dann kann ihm vielleicht sein Kollege helfen – der scheint doch Arzt zu sein…?

Nein, meine Ängste waren völlig unbegründet. Die fünf Darsteller dieser Kampagne versetzen sich in ihre Kunden hinein, genauer gesagt in einen Chirurg, einen Rapper, eine Braut, einen Fußballfan und einen Mechaniker. So wollen sie das Motto der Kampagne bildhaft darstellen: „Wer sich in seine Kunden hineinversetzt, berät besser.“

Das ist ja wohl das oberste Prinzip einer Beratung, egal auf welchem Gebiet: Der Berater sollte wissen, was in seinem Gegenüber vorgeht. Keine wirkliche Überraschung, aber gut es noch mal auszusprechen.

Eine große Überraschung bietet hingegen die weitere Recherche zur Entstehung der Kampagne: Es wurden im Vorfeld 120 echte Mitarbeiter der Berliner Sparkasse gecastet, die fünf glücklichen Sieger sehen wir jetzt täglich auf dem Weg zur Arbeit oder beim Zeitung Lesen.

Das nenn ich mal Einsatz!