Unseriöse Schuldnerberater erkennen

Die Woche des Schuldners gibt es auch deshalb, weil viele überschuldete Menschen in die Fänge windiger Berater geraten, wenn sie bei seriösen Organisationen zu lange auf einen Termin warten müssen. Diese gewerblichen „Helfer“ nuzen schamlos die Situation der Betroffenen aus und verschlimmern sie im schlechtesten Fall noch. „Statt dauerhafter Entschuldung sind häufig nur horrende Gebühren für überflüssige Leistungen garantiert“, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Sie hat deshalb einige Leitsätze herausgegeben, um seriöse Angebote in der Verbraucherinsolvenz- und Schuldnerberatung zu erkennen:

  • Vorsicht bei reißerischer Werbung: Wo Angebote schnelle So­fort­hilfe versprechen, ist Vorsicht geboten. Wenn dahinter nämlich keine grundlegende Beratung und rechtliche Vertretung steht, dau­ert der Weg aus der Überschuldung am Ende länger als mit den Wartezeiten auf einen Beratungstermin bei einer seriösen Schuld­ner- und Insolvenzberatung – und er kommt darüber hinaus auch noch teuer zu stehen. Misstrauen ist auch angebracht, wenn ver­sprochen wird, dass nur noch eine Rate an den Schuldenregulierer gezahlt werden muss, der sich dann um alles kümmert: Häufig wer­den mit dieser Rate nur die immens hohen Kosten des Schuldenre­gulierers bezahlt und die bisherigen Gläubiger gehen leer aus.
  • Kein Duo von Berater und Anwalt: Bei Angeboten, wo Berater lediglich die Daten des Schuldners aufnehmen und Unterlagen dann an einen Anwalt weiterreichen, entstehen in der Regel dop­pelte Kosten. Weil der Berater keine Rechtsberatungsbefugnis hat und ihm die nach dem Verbraucherinsolvenzrecht notwendige Anerkennung fehlt, kann er auch keine rechtlichen Auskünfte geben. Mit dem Anwalt haben Schuldner keinen persönlichen Kon­takt, sodass Unklarheiten nicht besprochen oder Fragen nicht beantwortet werden können.

  • Kosten-Check: Bei der ersten Kontaktaufnahme sollte bereits nach möglichen Kosten gefragt werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der vermeintliche Berater erst im Gespräch erfahren will, wel­chen Geldbetrag der Schuldner monatlich entbehren kann. In einer seriösen Beratung informiert der Schuldnerberater über die Höhe des Pfändungsbetrags, der monatlich an die Gläubiger abzutreten ist und rechnet vor, wie viel man selbst behalten darf.
  • Vertragsabschluss: Seriöse Anbieter vereinbaren Termine in ihren Geschäftsräumen und machen keine Hausbesuche. Auch drängen sie nicht zur Vertragsunterschrift, sondern informieren ausführlich und räumen Bedenkzeit ein. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht nur auf rein verwaltende Tätigkeiten wie das Auflisten von Gläubigern und Forderungen oder das Weiterleiten von Raten beschränken, sondern Rechtsberatung und -vertretung wesentliche Bestandteile sind. Neben dem eigentlichen Schuldner- und Verbraucherinsol­venzberatungsvertrag sollten keine weiteren Verträge unterschrie­ben werden: Damit wird die Schuldenregulierung keinesfalls erleichtert, sondern es werden bloß weitere Verpflichtungen einge­gangen, die der Schuldner nicht erfüllen kann.
  • Kreditvermittlung: Viele unseriöse Anbieter locken überschuldete Kunden mit dem Versprechen, einen Kreditvertrag vermitteln zu können. Bei genauer Prüfung umfasst solch ein Vertrag jedoch meist lediglich Leistungen zur Schuldenverwaltung. Hände weg, denn solche „Kreditverträge“ sind keinesfalls geeignet, die Chancen auf einen Kredit zu erhöhen.

(Quelle: VZ NRW)

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