Krankenkassen: Neue Freiheit durch Wahltarife

Am 1.4.2007 tritt das Gesetz zur Stärkung des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung – besser bekannt als Gesundheitsreform – in Kraft. Neben allerlei „Grausamkeiten“ beschert sie Kassen und Versicherten auch eine neue Wahlfreiheit: Und zwar in Form von Wahltarifen. Die gesetzlichen Kassen müssen dann bestimmte Tarife anbieten, manche können sie anbieten. Selbstbehalte, Beitragserstattungen, hausarztzentrierte Versorgung – die Versicherten können sich entscheiden, ob sie von der neuen Möglichkeit Gebrauch machen möchten.

Folgende Wahltarife müssen die gesetzlichen Krankenkassen künftig anbieten:

  • besondere ambulante ärztliche Vorsorge
  • strukturierte Behandlungsprogramme bei chronischen Krankheiten
  • Hausarztzentrierte Versorgung
  • Tarife für die Teilnahme an an besonderen Versorgungsformen

Als Bonus gibt es dafür von der Kasse entweder Prämienzahlungen oder Zuzahlungsermäßigungen.

Folgende Wahltarife können die gesetzlichen Krankenkassen künftig anbieten:

  • Selbstbehalttarife
    Das Mitglied verpflichtet sich, einen Teil der von der Krankenkasse zu tragenden Kosten selbst zu übernehmen und erhält im Gegenzug von der Kasse eine im Wahltarif vereinbarte Prämie.
  • Tarife für Nichtinanspruchnahme von Leistungen
    Wenn das Mitglied und seine Familienversicherten ein Jahr lang keine Leistungen der Krankenkasse in Anspruch nehmen, erhält das Mitglied im Gegenzug von der Krankenkasse eine im Wahltarif festgelegte Prämie, maximal ein Zwölftel seines Jahresbeitrags.
  • Variable Kostenerstattungstarife
    Für die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das „Sachleistungsprinzip“: Mit ihrer Versichertenkarte haben sie Anspruch auf die medizinisch notwendigen ärztliche und zahnärztliche Behandlung. Die ärztlichen Leistungen selbst werden vom Arzt mit der Krankenkasse direkt abgerechnet. Wenn ihre Krankenkasse dies als Wahltarif anbietet, können Versicherte auch die Kostenerstattung wählen. In diesem Fall werden sie vom Arzt wie ein „Privatpatient“ behandelt und bekommen von ihm eine Rechnung, die sie selbst bezahlen. Später werden ihnen von der Krankenkasse die Kosten in der Höhe erstattet, die die Kasse bei der „Behandlung auf Versichertenkarte“ bezahlt hätte. Die Kassen können die Höhe der Kostenerstattung variieren und hierfür für Ihre Versicherten Prämienzahlungen vorsehen. Wahlweise kann die Kostenerstattung auch auf den ärztlichen, zahnärztlichen oder den stationären Bereich beschränkt werden.
  • Tarife für die Übernahme der Kosten für (von der Regelversorgung ausgeschlossene) Arzneimittel der besonderen Therapierichtungen
    Hier können Versicherte sich einen erweiterten Leistungsanspruch sichern. Im Gegenzug kann die Krankenkasse dafür spezielle Prämienzahlungen vorsehen.

(Quelle für Wahltarif-Erläuterungen: BKK-Bundesverband)


Einige Haken an den Kann-Wahltarifen: Der Versicherte muss sich für drei Jahre an den Tarif binden und verzichtet damit für diesen Zeitraum auf sein Sonderkündigungsrecht. Bei Unzufriedenheit oder gar Beitragserhöhungen ist kein Wechsel möglich. Ein Selbstbehalttarif, der im Grunde wie eine Auto-Teilkasko funktioniert, ist außerdem eigentlich nur für junge und gesunde Menschen eine Option. Auch ist die neue Wahlfreiheit momentan noch sehr begrenzt. Nur wenige Kassen bieten bereits alle Kann-Tarife an, ein umfassender Vergleich ist somit noch nicht machbar.

Ein Gedanke zu “Krankenkassen: Neue Freiheit durch Wahltarife

  1. Pingback: GELD kompakt · Gesundheitsreform: Überblick behalten

Schreibe einen Kommentar