„Hey Jürgen, kannst du mir bis morgen mal ’nen Hunderter borgen?“ So oder ähnlich werden wohl die meisten Kredite von Privat an Privat abgewickelt – wie anachronistisch! Denn jetzt gibt es „eLolly“ (NEIN, mit einem Lutscher hat das nichts zu tun). Eine Online-Plattform, die Kreditgeschäfte zwischen Privatmann X und Privatmann Y vermittelt. Halt, nicht ganz: Sie stellt nur die Plattform zur Verfügung, ist also vor den Augen der Finanzaufsicht kein Kreditvermittler. Eher eine Art eBay für Kredite.


Und so soll das Modell funktionieren: Wer Geld leihen oder verleihen möchte, muss sich auf elolly.de gegen eine Gebühr von 9,50 Euro registrieren. Weitere Provisionen oder Vermittlungsgebühren fallen nicht an. Der klamme Max füllt auf eLolly dann einen Fragebogen aus, in dem er angibt, wie viel Geld er benötigt. Der reiche Jürgen schreibt in den Fragebogen, wie viel Euros er zu welchen Zinsen und über welche Laufzeiten anbieten möchte. Per Datenbank lernen sie sich kennen. Welchen Zinssatz sie vereinbaren, ist ihre Sache. Mit der Kreditabwicklung selbst hat eLolly also nichts zu tun, weshalb Betreiber Dirk Morina (?) auch keine teure Lizenz von der Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht (Bafin) benötigt.

Das eben macht mich neben folgenden Auszügen aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eLolly, die man sich unbedingt vollständig zu Gemüte führen sollte, etwas stutzig:

  • „Es ist nicht die Pflicht von elolly, die Seriosität der Mitglieder zu überprüfen.“
  • „Auch werden die gemachten Angaben der Mitglieder keiner weiteren Kontrolle unterzogen.“
  • „Elolly ist für Schäden sämtlicher Art nicht haftbar zu machen; weder für mittelbare noch unmittelbare, auch nicht für Datenverluste, System- oder Plattformausfälle, höhere Gewalt und Computerviren. Elolly haftet ebenfalls nicht für jegliche Schäden , Folgeschäden, Verluste oder Benachteiligungen, die dem Nutzer aufgrund der Verwaltung oder Weiterleitung seiner Daten entstehen.“
  • „Die Mitglieder erklären sich ferner damit einverstanden, dass die Daten gegen Entgeld an verschiedene Institutionen weitergegeben werden dürfen. Daten können dann zu Werbezwecken und statistischen Erhebungen dienen.“

Der Vergleich mit eBay hinkt auch etwas, da es kein „Versteigerungstool“ für den Zinssatz gibt, das die Konditionen wohl verbessern und die Auswahl des Kreditgebers erleichtern würde.

In den USA und Großbritannien sind mit Zopa und Prosper übrigens bereits funktionierende social lending-Plattformen etabliert. Die Idee an sich hat also auf jeden Fall Zukunft bei Kleinkrediten. Allerdings bieten diese Plattformen angeblich auch mehr Sicherheit. Deutsche Portale, die wie Zopa und Prosper agieren möchten, stehen offenbar kurz vor dem Start. Dazu später mehr.

Einen interessanten Artikel zu eLolly gibt es bei der Financial Times Deutschland. Zum Thema social lending bei heute.