Gesundheitsreform: Lobby regiert Versicherte

Folgendes sagte der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Politikberater Karl Lauterbach (SPD) am Wochenende im Berliner Tagesspiegel zur nun vom Bundestag gebilligten Gesundheitsreform:

„Vielen drängt sich der Eindruck auf, dass Gesundheitspolitik zunehmend von Lobbygruppen gemacht wird und immer weniger Bürgerinteressen vertreten werden.“

„Wie die Reform der privaten Krankenversicherung aussieht, wird viel stärker von deren Verband bestimmt als von den privat oder gesetzlich Versicherten.“

„Oft hat sogar die Berichterstattung einzelner Medien größeres Gewicht für die politische Entscheidungsfindung als die Meinung der Abgeordneten. Das kann dazu führen, dass viele die Politik nur noch als Schmierenkomödie empfinden.“

Die geäußerten Gedanken haben sich bestimmt auch schon dem einen oder anderen Beitragszahler aufgedrängt. Treffen sie zu, so sind sie ein Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik und ihre Macher. Schließlich liegt es doch im Ermessen des einzelnen – und für seine Unabhängigkeit alimentierten – Abgeordneten, inwieweit er sich beeinflussen lässt. Lauterbach hat dem Gesetz übrigens nicht zugestimmt. Allerdings war er mehr als die meisten seiner Kollegen in den Enstehungsprozess involviert.

Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Reform in wenigen Jahren als Grundlage für eine wirkliche Neuausrichtung der Krankenversicherung dienen kann – und dass bei der anstehenden Reform der Pflegeversicherung die Interessen der Beitragszahler die Beachtung finden, die sie verdienen.

2 Gedanken zu “Gesundheitsreform: Lobby regiert Versicherte

  1. Nicht umsonst heißt es, dass die öffentliche Meinung inzwischen als 4. Gewalt im Staat angesehen werden kann. Nur was soll man machen? Den Abgeordneten das Zeitunglesen zu verbieten geht schlecht.

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