Die deutschen Verbraucher beklagen sich mehr als je zuvor über ihre Versicherung. Mehr als 18.000 Kunden, eine Zunahme um fast zwei Drittel, beschwerten sich voriges Jahr beim unabhängigen Ombudsmann für Versicherungen in Berlin. Das berichtet die Stuttgarter Zeitung in ihrer morgigen Freitagsausgabe.

„Solch eine Beschwerdeflut habe ich noch nicht erlebt“, zitiert das Blatt den Leiter der Schlichtungsstelle, Professor Wolfgang Römer. Vor allem die Kündigung von Lebensversicherungen löst laut Bericht oft massiven Streit aus. Jede zweite Beschwerde betraf demnach den wichtigsten Zweig der Risikobranche. Damit habe sich die Zahl der unzufriedenen Kunden fast verdreifacht. Ursache vieler Streitfälle sind laut Römer besonders die verbraucherfreundlichen Urteile der höchsten deutschen Gerichte zur Beteiligung der Kunden an milliardenschweren stillen Reserven und zu Ansprüchen bei der Kündigung eines Vertrags.

Viele Lebensversicherer verweigern höhere Zahlungen bisher unter Hinweis auf Verjährung und Vertragsklauseln, sagte Römer der Stuttgarter Zeitung weiter. Die Ablehnung sei aber nicht einheitlich. Einige Unternehmen aber zeigten sich durchaus kundenfreundlich und zahlten. Vielen Versicherten könne aber die Schlichtungsstelle bisher nicht helfen, da zunächst weitere höchstrichterliche Urteile zur Klärung der hoch komplizierten Fragen nötig seien.

Jede dritte Beschwerde beim Ombudsmann hat laut Bericht ansonsten Erfolg. Eine Prognose, ob die Beschwerdeflut sich dieses Jahr fortsetzt, wollte Römer gegenüber der Zeitung noch nicht wagen.