Sehnsucht nach der D-Mark

Nun ist die D-Mark schon seit knapp fünf Jahren passé. Trotzdem können wir Deutschen offenbar einfach nicht loslassen. Das zumindest legt eine repräsentative Umfrage der Zeitschrift Stern nahe. Danach sehnt sich mehr als jeder zweite Bundesbürger nach Mark und Pfennig zurück. 58 Prozent der Befragten erklärten in der aktuellen Untersuchung für das Hamburger Magazin, wenn sie wählen dürften, dann hätten sie lieber wieder die D-Mark als Zahlungsmittel. Nur 40 Prozent würden die seit 2002 geltende Einheitswährung vorziehen. Zwei Prozent äußerten keine Meinung.

Verwunderlich, dass in spontanen Meinungsäußerungen immer wieder die Vorteile der europäischen Währung in Vergessenheit geraten: Der Euro ist ein Gegengewicht zu Dollar und Yen und offizielles Zahlungsmittel in zwölf Staaten. Mit ihm wurden innergemeinschaftliche Wechselkursrisiken beseitigt, die Inflation ist konstant niedrig und der Stabilitätspakt sorgt zumindest Ansatzweise für Haushaltsdisziplin bei der öffentlichen Hand. Von den politischen Vorteilen ganz zu schweigen.

Zugegeben: Manchmal vermisse auch ich die kniende Schönheit auf dem 50 Pfennig-Stück und den ernst dreinschauenden Ludwig Erhard auf der zwei Mark-Münze. Gelegentlich schimpfe ich auch: „Was kostet das?! Das sind ja umgerechnet xy Mark!!“ Aber dann denke ich an die Zeit zurück, als ich am Tag vor dem Urlaub am Bankschalter anstehen musste, um meine schöne D-Mark in Lire oder Schilling umzutauschen.

Die Liebe der Deutschen zu ihrer Mark drückt sich aber nicht nur in Umfragen aus. Nein, Münzen und Scheine werden auch noch fleißig gehortet. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblattes werden alleine in der Hamburger Filiale der Bundesbank auch jetzt noch Tag für Tag 45.000 D-Mark gegen Euros getauscht. Würde ich auch machen, wenn ich noch D-Mark hätte. Denn besser Euros auf der hohen Kante, als die gute alte (harte) Mark unter der Matratze.   

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