Steuerirrsinn: Familien mit Kindern sind arm dran

Der Bundesrat hat im Frühjahr 2006 dem „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung“ zugestimmt. Ein Teil des Gesetzes: Ab dem kommenden Jahr können Familien die Kinderbetreuungskosten zu 2/3, maximal aber 4.000 Euro pro Kind in der Steuererklärung geltend machen.

Aber gerade die Geltendmachung ist die grundlegende Hürde für jede Familie. Warum? Statt bisher zwei Seiten umfasst das neue Steuerformular für Kinder drei Seiten. Das macht das Ausfüllen der Fomulare nicht gerade einfacher, denn die drei Seiten müssen für jedes Kind ausgefüllt werden. Und – Sie errraten es sicher – auf der zusätzlichen Seite muss man alle mögliche Angaben zu den Kinderbetreuungskosten machen. Insgesamt kann man sich auf über 90 neue Felder nur im Bereich Kinder freuen. Da fragt man sich schon, welcher durchschhnittliche Familienvorstand da noch weiß, wo und was er in die Formulare einzutragen hat.

Kein Wunder, dass der Bundesrat bei der Verabschiedung des Gesetzes feststellte, dass er „die steuertechnische Umsetzung des Abzugs von Kinderbetreuungskosten für nicht zweckmäßig und administrativ nicht handhabbar“ hält.

Und dabei hatte sich die Große Koaliton in der Koalitionsvereinbarung die „Vereinfachung der Steuerrechts“ auf die Fahnen geschrieben…

5 Gedanken zu “Steuerirrsinn: Familien mit Kindern sind arm dran

  1. „nicht zweckmäßig und administrativ nicht handhabbar“?
    Das ist doch ein weiterer Beweis für die kriminalisierung des Steuerbürgers. Was sogar für die Verwaltungsprofis vom Finanzamt nicht handhabbar ist, wird doch nur vom Steuerberater bei seiner privaten Steuererklärung verstanden.

  2. Hier noch ein netter Kommentar aus der FDP, den ich gerade noch gefunden habe:

    „Die Regelungen zu den Kinderbetreuungskosten sind ausgesprochen kompliziert. Sie sind in ihrer Kompliziertheit schwer zu übertreffen: Ein Teil der Familien soll einen Teil der Kosten für einen Teil der Kinder für einen Teil der Aufwendungen absetzen dürfen. Es gibt ein Nebeneinander von Betriebsausgaben bzw. Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, Steuerbefreiungen und Steuervergünstigungen. Das versteht kein Mensch. Dazu braucht jeder Steuerpflichtige einen Steuerberater, und dabei können die Beratungskosten steuerlich nicht einmal mehr berücksichtigt werden.“ (Carl-Ludwig Thiele, FDP, 17.3.2006)

    Plenardebatte des Bundestages unter http://archiv.bundestag.t-bn.de/Archiv/servlets/Rede/Video?id=34623&rate=adsl 

     

  3. Was will man den von den Laufburschen der Finanzlobby erwarten.In diesem verlogenen Zeitalter ist transparenz für alle Profiteure Gift.

  4. Die gleiche gequirlte Kacke wie die Anträge auf Zulage bei Riesterverträgen. Ich halte diese ausufernde Verkomplizierung und unverständliche Bürokratisierung für vorsätzliche staatliche Bürgerverarschung.

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